O`DRAHN 2.0 - Ein Kniefall vor dem Hopfen

Auch im Jahr 2021 kamen bei vielen Hopfenpflanzern die Saisonarbeitskräfte nicht. Daher wurden viele Freunde, Bekannte und Verwandte mobilisiert und das Andrehen konnte los gehen. Da der April durchschnittlich so kalt war, wie schon lange nicht mehr, ging das Hopfenandrehen, also das Anleiten der Hopfentrieben an den Hopfendraht, erst Anfang Mai los.


Es war ein Donnerstag, genauer gesagt der 06.05., als wir unser Vehikel bestiegen. Eine Menschen-Mischung aus Verwandten und Bekannten wurde bei bewölktem Himmel und lauen Temperaturen im Planenwagen in den ersten, zu bearbeitenden Hopfengarten gefahren. Die erste Fahrt war die angenehmste, bei jeder weiteren Fahrt schmerzte jedes Schlagloch am durchgesessenen Allerwertesten. Angekommen am Garten, zeigte Onkel Hans den Neulingen, wie der Hopfenstock zu bearbeiten sei. Gesagt getan fielen wir vor den ersten Stöcken auf die Knie, bohrten unsere Knie in den weichen, leicht feuchten Boden, wählten die stärksten drei Triebe pro Draht, drehten diese im Uhrzeigersinn nach oben und schnitten die noch vorhandenen Triebe mit dem uns überlassenen Hopfenmesser ab. Bis zur ersten Pause um halb zehn war es noch verhältnismäßig ruhig. Jeder konzentrierte sich auf seine Reihe und versuchte möglichst mit den anderen Tempo zu halten. Die Sonne kam heraus und durchzog den Garten mit warmen Strahlen, die ersten Jacken und Hemden wurden ausgezogen und der ein oder andere arbeitete schon im T-Shirt - großer Fehler, denn der Hopfen ist eine sehr raue Pflanze. Man sagt gar: “Wen der Hopfen einmal gekratzt hat, den lässt er nicht mehr los!“ Die Kratzer brannten auch noch Tage später an den Armen und Beinen. Die erste Pause kam und die erste halbe Bier schmeckte wie schon lange nicht mehr. Mit steigenden Temperaturen stieg auch die allgemeine Stimmung im Garten, die ersten Lieder wurden geschmettert und Geschichten erzählt.

Die magischen Worte, die man während der Tage des O´Drahns am liebsten hörte waren: "Mach ma Pause!", "Mach ma Mittag!", "Mach ma Feiromd!". Und wer sagt, dass das Odrahn die schönste Arbeit des Hopfenanbaus sei, hat diese Tätigkeit wohl noch nie selbst getan. Es hat sich eine super Stimmung im Team aufgebaut und Spaß gemacht hat´s, doch während der Arbeit und auch Abends merkte man jeden Muskel und jeden Knochen. Nach Tag Drei waren die schlimmsten Schmerzen überstanden bzw. gewöhnte man sich einfach an sie. 

Wenn mal nichts gesagt wurde, war es dennoch nie leise. Der Wind zischte durch das Geäst der angrenzenden Bäume, in denen  Vögel unterschiedlichster Art fröhliche Klänge anstießen. Irgendwoher hörte man einen Fasan, Bienen und Hummeln summten in der Zwischensaat der Gärten, das Rauschen der nahe liegenden Autobahn hörte sich mit etwas Phantasie wie das Rauschen des Meeres an. Bei einer doch recht eintönigen Arbeit fällt es nicht schwer, sich der Phantasie hinzugeben. Freude kam auf, wenn man auf einen rot leuchtenden Marienkäfer traf oder sich ein Schmetterling neben einem niederließ. 

Unglaubliche, erlebte Geschichten wurden untermalt von bayerischen Kinderliedern sowie Liedern aus aller Welt. Je besser die Stimmung war, desto schneller verflog die Zeit.

 

In diesem Jahr war das Wetter etwas gewöhnungsbedürftig. Es waren einige Tage dabei, an denen es konstant geregnet hat und sau kalt war, an anderen überraschte uns der ein oder andere Schauer. Der weiche Boden klebte Zentimeter dick an unseren Stiefeln, Schlamm triefte an unserer Regenkleidung herab, es roch nach nasser Erde. Der Regen prasselte auf unser Kapuzen und die Wassertropfen perlten an unseren Gesichtern ab. 

 

Abends, nach dem Andrehen, war bei Brotzeit und Bier jedoch schnell vergessen, wie schlecht das Wetter untertags war. 

Wie in einer Blase bekam man nur bedingt Nachrichten von außerhalb mit. Raus aus dem Corona-Wahnsinn, von dem es uns allen redlich reicht! Der Zusammenhalt und die Stimmung waren wieder einmal unFASSbar gut! Danke an alle, die das ODrahn 2021 zu einem erneut unvergesslichen Erlebnis machten! 

 

Schön war das ODrahn 2021, auf ein Neues im nächsten Jahr!

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