Abschied einer Cocktailbar - Goodbye Muckis Bar

Wir kennen uns nun doch schon einige Zeit, was das Abschied nehmen umso schwieriger macht! Eines Abends trafen wir uns, ich mit zottligen Dreadlocks, Marienkäferhütchen und schon einen leichten zacken im Gesicht und du wie damals noch möglich - verraucht, voll und mit einem Sound aus den Boxen, der die Ohren schlackern ließ. Es lief Reggae, die Getränke waren stark und am Ende waren fast nur noch du und ich am Tresen. Ob ich bei dir arbeiten möchte? Was für eine Frage?!? Als mein Cousin damals den Posten frei gab, versuchte ich, seine Fußstapfen zu füllen. Wir verstanden uns blendend. Neben meiner Ausbildung zum Anlagenmechaniker SHK verbrachte ich bei dir oft mehr Stunden als in meinem Zuhause.

Wir lernten einander kennen, du lerntest mir eigenständig eine Bar zu führen, aus Getränken Cocktails zu zaubern, Menschen zu begeistern und stärktest den Glauben an mich selbst. Ich brachte dir die entspannte Einstellung meines Lebens bei und im Großen und Ganzen ergänzten wir uns in vielen Lebenslagen. All deine glänzenden Spirituosen und Gläser zogen mich an, wie ein Silberlöffel eine Elster. Selbst Nachmittags besuchte ich dich in meiner Freizeit, um deine Blumen zu gießen. Wir feierten Feste, als hätte es keinen Morgen gegeben. Was mich zudem an dir beeindruckte: Bei dir war jeder gleich! Wie ein guter Hirte warst du für mich - ja liebe Kirche, hier hättest auch du was lernen können.

Auf deinen Bänken nahmen alle Platz, die Spaß am Leben hatten. Du machtest keinen Unterschied wer hier saß. Wie oft kamen Gäste nur zu dir, um ihre Geschichten zu erzählen, für die sie zuhause kein Ohr fanden? Du warst Rückzugsort, Heimathafen, eine Oase des Glücks. Selbst dein Kaffee roch damals wie kein anderer. Wenn zischend und dampfend das heiße Wasser durch die Siebträger deiner Faema lief, wusste man sofort, dass das koffeinhaltige Lebenselixier in einer vorgewärmten Tasse aufgefangen wurde. Wir entwickelten neue Getränkekombinationen, waren stets Kreativ und versuchten, unsere Gäste bei Laune zu halten.

Wie auch das Leben sich im allgemeinen verändert, haben wir uns beide ebenfalls verändert. Als ich meinen Dienst bei der deutschen Marine antrat, sahen wir uns nur noch selten, doch nahm ich dich einfach für Augenblicke mit aufs Schiff z.B. beim Cocktailabend im Hafen von Oslo.

Während und auch nach meiner Bundeswehrzeit hattest du fleißige Unterstützung hinterm Tresen. In den letzten Jahren hattest du allerdings zu kämpfen. Die Ära der professionell gemischten Getränke und überbackenen Nachos hatte bereits seinen Glanz verloren. Ich besuchte dich weiterhin, doch waren deine Plätze bei weitem nicht mehr in dem Ausmaß gefüllt, als zu dem Zeitpunkt, als wir uns kennen lernten.

 

Voller Wehmut sehe ich deiner Schließung entgegen und erinnere mich mit einem Lächeln an die unzähligen Abende, die ich mit dir verbrachte. Du warst ein Anker in Zeiten, in denen es mir nicht gut ging. Du warst die starke Schulter, an die man sich gerne mal lehnte. Du warst Begleiter und formtest einen Teil meines Lebens. 

 

Ich ziehe meinen Hut vor dir, verabschiede mich mit erhobenem Haupt und bedanke mich für alles, was ich mit dir erleben durfte. Mach´s gut, dein Simon