O`DRAHN - Ein Kniefall vor dem Hopfen

Es war ein Montag, genauer gesagt der 27.04., als wir unser Vehikel bestiegen. Eine Mischung aus Studentinnen, Verwandten und Bekannten wurden bei bewölktem Himmel und lauen Temperaturen im Planenwagen in den ersten, zu bearbeitenden Hopfengarten gefahren. Die erste Fahrt war die angenehmste, bei jeder weiteren Fahrt schmerzte jedes Schlagloch am durchgesessenen Allerwertesten. Angekommen am Garten, zeigte der Hopfenpflanzer den Neulingen, wie der Hopfenstock zu bearbeiten sei. Gesagt getan fielen wir auf die Knie vor dem ersten Stock, bohrten unsere Knie in den weichen, leicht feuchten Boden, wählten die stärksten drei Triebe pro Draht, drehten diese im Uhrzeigersinn nach oben und schnitten die noch vorhandenen Triebe mit dem uns überlassenen Hopfenmesser ab. Bis zur ersten Pause, um halb zehn, war es noch verhältnismäßig ruhig. Jeder konzentrierte sich auf seine Reihe und versuchte möglichst mit den anderen Tempo zu halten. Die Sonne kam heraus und durchzog den Garten mit warmen Strahlen, die ersten Jacken und Hemden wurden ausgezogen und die ein oder andere arbeitete schon im Top - großer Fehler, denn der Hopfen ist nicht die weichste Pflanze. Die Kratzer brannten auch noch Tage später an den Armen und Beinen. Die erste Pause kam und die erste halbe Bier schmeckte wie schon lange nicht mehr. Mit steigenden Temperaturen stieg auch die allgemeine Stimmung im Garten, der erste Smalltalk begann und man lernte die Personen rechts und links der eigenen Reihe kennen.

Die magischen Worte, die man während der Tage des O´Drahns am liebsten hörte waren: "Mach ma Pause!", "Mach ma Mittag!", "Mach ma Feiromd!". Und wer sagt, dass das Odrahn die schönste Arbeit des Hopfenanbaus sei, hat diese Tätigkeit wohl noch nie selbst getan. Es hat sich eine super Stimmung im Team aufgebaut und Spaß gemacht hat´s auch, doch während der Arbeit und auch Abends merkte man jeden Muskel und jeden Knochen. Nach Tag Drei sind auch die schlimmsten Schmerzen überstanden bzw. gewöhnt man sich einfach an sie. 

Wenn mal nichts gesagt wurde, war es dennoch nie leise. Der Wind blies durch die Gipfel der angrenzenden Bäume, in denen  Vögel unterschiedlichster Art fröhliche Klänge anstießen. Irgendwoher hörte man einen Fasan, Bienen summten in der Zwischensaat der Gärten, das Rauschen der nahe liegenden Autobahn hörte sich mit etwas Phantasie wie Meeresrauschen an. Bei einer doch recht eintönigen Arbeit fällt es nicht schwer, sich der Phantasie hinzugeben. Freude kommt auf, wenn man auf einen rot leuchtenden Marienkäfer trifft. 

Mit der Zeit fingen auch die Studentinnen an, ihre Stöpsel aus den Ohren zu nehmen, die Podcasts abzuschalten und den Geschichten der anderen zu lauschen. Es war wirklich Interessant, wie viele Geschichten mir noch aus meiner Vergangenheit einfielen. Und was war es für eine Gaudi, als wir begannen, bayerische Kinderlieder zu singen? - Für die meisten zumindest war es das. Geratscht und Gesungen verging die Zeit wie im Nu.

 

Wir hatten im Großen und Ganzen ein riesen Glück mit dem Wetter. Nur ein Tag war dabei, an dem es konstant geregnet hat, an anderen überraschte uns der ein oder andere Schauer. Der weiche Boden klebte Zentimeter dick an unseren Stiefeln, Schlamm triefte an unserer Regenkleidung herab, es roch nach nasser Erde. Der Regen prasselte auf unser Kapuzen und der Klang erinnerte an einen tosenden Applaus. Diesen hätten wir uns nach den zehn Tagen redlich verdient. 

Egal, wie der Tag war, am Ende bei Brotzeit, Bier und gemeinsamen Liedern waren die schlimmsten Strapazen sofort vergessen.

Es tat gut, für einen Zeitraum nichts oder nur wenig vom alltäglichen Geschehen der Welt mitzubekommen. Raus aus dem Corona-Wahnsinn, von dem täglich neue Meldungen eintreffen und man mittlerweile die Übersicht verloren hat, welche Nachrichten wahr und welche nur zur Hetze dienen. 

Schön war das ODrahn 2020, auf ein Neues im nächsten Jahr!